Unsere Rezension zum Buch “DJ Culture. Diskjockeys und Popkultur”

Unsere Rezension zum Buch “DJ Culture. Diskjockeys und Popkultur”

In unserer Übersicht über die 5 besten Bücher der DJ-Literatur haben wir euch “DJ Culture. Diskjockeys und Popkultur” von Ulf Poschardt bereits vorgestellt. Bei Interesse an DJ-Kultur und an der Geschichte unterschiedlicher Stile der (elektronischen) Tanzmusik bekommt ihr darin einen umfassenden Überblick. In erster Linie soll das Sachbuch aber die DJ-Kultur aus geisteswissenschaftlicher Sicht erkunden. In diesem Artikel liefern wir euch nun die ausführliche Rezension zu “DJ Culture”.

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Doktorarbeit über DJ-Kultur

Die Neuauflage von Poschardts Doktorarbeit aus dem Jahr 1995 wird von Fachkundigen als “Standardwerk” zum Thema gewertet. Gesellschaft, Kunst und Politik werden im Zusammenhang mit der DJ-Kultur betrachtet. Wenn man sich der Informationsdichte des wissenschaftlichen Textes mit Geduld annimmt, wird man das erworbene Wissen als DJ mit Sicherheit schätzen. Beim Lesen mit der Aufmerksamkeitsspanne eines Durchschnittsmillennials wird die Lektüre aber – zugegeben – an einigen satzbaulich verklausulierten Stellen, so wie dieser hier, etwas ermüdend. Um also die Lektüre spannend zu gestalten, sind regelmäßige kleine Pausen mit diversen Musikanwendungen und Club-Besuchen zu empfehlen.

Kulturphilosophische Herangehensweise ans Deejaying

Nach einem Vorwort zur Neuauflage geht es in der Einleitung schon gleich kulturphilosophisch zur Sache. Poschardt stellt methodisch akkurat einige Theorien vor. Zum Beispiel sind das:

  1. die Säulen des Deejaying: Scratching, Sampling, Remix als Bestandteile der DJ-Kultur im kunst- und kulturtheoretischen Kontext
  2. das künstlerisch-schöpferische Wesen der Tätigkeit im Hinblick auf die Verwertung von vorliegendem Material
  3. die Kontextualisierung komplexer geisteswissenschaftlicher Theorien anhand von Zitaten bedeutender Philiosophen

If you know what I mean … Um alle Ideen zu durchschauen, ist ein ausgeprägtes Interesse für Philosophie in diesem Abschnitt von großem Vorteil.

Schwerpunkt: Die Evolution der DJ-Kultur

Der Schwerpunkt dieses Werks der DJ-Literatur liegt auf dem Kapitel zur Geschichte. Hier wird die Evolution der DJ-Kultur anhand der sich entwickelnden Musikgenres wie eine Chronik nachvollzogen: Disco, House und Hip-Hop werden ausführlich vorgestellt, die zusammengefassten Dancefloor-Stile danach werden ziemlich zackig abgearbeitet. Die stellenweise selektive Herangehensweise dient dazu, bestimmte Theorien zu verdeutlichen, also wurden einige Bereiche stärker ausgebaut, andere Gedanken hingegen eher angeschnitten.

Neben den Meilensteinen und Verbindungen in der Entstehung von musikalischen Strömungen geht es immer wieder um deren kulturelle Bedeutung. Beispiel: Im Hip-Hop erkundet Poschardt die historischen Vorbilder und Grundlagen des Rap, aber auch das Wesen von Rap als Sprachkunst, seine Codes und Inhalte, gesellschaftliche Funktionen und Auswirkungen. Poschardt stützt sich auch hier auf diverse Quellen. Er zitiert bedeutende Geisteswissenschaftler ebenso wie Pop-Magazine, Interview-Ausschnitte und (Rap-)Lyrics. Zur Illustration gibt es vereinzelt teils merkwürdige kleine Fotos, die für die Ausführungen eigentlich keinen Mehrwert haben.

Die Informationen in dem Geschichtskapitel haben die nötige Tiefe, um einen umfassenden Überblick zu liefern. Die wissenschaftlichen Aspekte mischen sich gut unter die Fakten zur Musik- und Kulturgeschichte. Auch kleine Exkurse zum technischen Fortschritt im Bereich der DJ-Hardware beweisen, dass Poschardt wichtige Einflüsse lückenlos benennt.

Das Kapitel fordert den Leser auch nicht so sehr wie die kulturphilosophisch geprägten Teile des Buchs, so dass man eigentlich keine Verständnisschwierigkeiten haben sollte. Umso kleinkarierter unsere Feststellung, dass Poschardt trotz seines enormen Brains kein besonders gutes Namensgedächtnis zu haben scheint: “Francis Grosso”, sowie “Florian Hütter und Ralf Schneider von Kraftwerk” mögen es ihm verzeihen.

“Deutschland – Westbam und der Rest”

Zum Ende der Chronik fasst der Autor sich kürzer, schon der Titel des Unterkapitels “Der Dancefloor-Planet – 1987-1995” deutet darauf hin. Für die Kultur in Deutschland formuliert er seine Überschrift beispielsweise: “Deutschland – Westbam und der Rest.” Die Abbildung der deutschen Technoszene lässt etwas zu wünschen übrig. Mag daran liegen, dass Westbam im Nachwort selbst noch ein Wörtchen mitreden will. Aber nicht nur zum Thema Techno (in Detroit oder Deutschland), sondern zur gesamten europäischen Musik-Szene findet man in dem Buch wenige Infos. Kritische Worte zur Kommerzialisierung der Techno-Kultur sowie zum Unglück bei der Loveparade in Duisburg stehen nicht im Kapitel zur Loveparade, aber immerhin im Nachwort von Tim Renner.

Deep digging im letzten Kapitel

Im letzten Kapitel, dem “Versuch einer Theorie”, darf Poschardt sich als Popforscher austoben. Er zieht die kulturphilosophischen Rückschlüsse aus seiner vorangegangenen Chronik der DJ-Kultur. Wechselwirkungen zwischen Subkulturen und Pokultur, Theorien zu Fortschritt im kulturellen Bezug, Avantgarde, Hochmoderne, Postmoderne / Hegel, Adorno, Marx und Engels, Foucault, Diederichsen, Cohn, Pubic Enemy. Mit anderen Worten: Er diggt deep.

Fazit zu “DJ Culture. Diskjockeys und Popkultur”

Damit dieser Text nicht ähnliche Ausmaße annimmt, dürfen wir uns mit dem Fazit verabschieden: Anspruchsvolle und lehrreiche Sachlektüre für den kulturell interessierten DJ, der vor intellektuellen Texten nicht zurückschreckt.

Infos zum Buch

DJ Culture. Diskjockeys und Popkultur
Ulf Poschardt
559 Seiten
Klett-Cotta Verlag
Preis: 26,95 €

Titelbild: © weltklassejungs.de
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