Freie Trauung: Interview mit einer professionellen Hochzeitsrednerin

Freie Trauung: Interview mit einer professionellen Hochzeitsrednerin

Janine van Vorst hat ihren Job bei der Bank an den Nagel gehängt, um Hochzeitsrednerin zu werden. Was sie dazu bewogen hat, Paare bei der Trauung zu begleiten, worauf es bei einer guten Hochzeitsrede ankommt und was sonst noch wichtig ist, damit die Hochzeitsfeier perfekt wird, hat sie uns im Interview erzählt.

Du hast BWL studiert, bei einer Bank und im Personalwesen gearbeitet – und bist jetzt selbstständige Hochzeitsrednerin. Was hat dich dazu bewogen, deinen alten Beruf an den Nagel zu hängen?

J.v.V: In meinem ursprünglichen Job hatte ich über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder das Gefühl „Das kann doch nicht alles gewesen sein?!“. Mir fehlte an zu vielen Tagen das Empfinden, dass das, was ich den Tag über gemacht und zu Papier gebracht hatte, einen Sinn hatte. Zu viele Konzepte, die ich erarbeitet hatte, sind einfach in Schubladen verschwunden – es gab zu wenig Erlebnisse, dass meine Arbeit wirklich etwas bewirkt hatte. Letztlich war ich an zu vielen Tag abends einfach richtig unzufrieden. Zudem hatte ich den Wunsch, in „anderen Strukturen“ zu arbeiten: Nicht immer von 8-17 Uhr, sondern auch einmal abends und am Wochenende. Das war der Beginn der Suche nach einem anderen Beruf/Job.

Wie ging es weiter, als der Entschluss zum Jobwechsel gefasst war?

J.v.V.: Als mir klar war, dass ich mich beruflich verändern möchte und auch muss, ging die Suche los… Jobcoaching, Brainstorming und die gesamte Palette diverser Findungsmethoden. Doch letztlich war es nicht die aktive Suche, sondern ein „AHA-Moment“, der mir verraten hatte, was ich machen möchte: eine Freundin hatte mich gebeten, während der Trauung einige persönliche Worte an sie und ihren Mann zu richten.

Und während ich vorne stand und genau das machte, hat es bei mir klick gemacht. Denn zum Einen war ich fachlich optimal vorbereitet: Rhetorik, Präsentation, Kommunikation… alles hatte bereits jahrelang meinen beruflichen Weg ausgemacht. Und zum Anderen, und das war das Entscheidende, gab es genau das, was mir vorher fehlte, in geballter Form: Menschen berühren, begeistern und fesseln. Unmittelbare Rückmeldungen erhalten und etwas Sinnvolles tun – Menschen an ihrem wichtigen Tag begleiten und einen großen Beitrag zur besonderen Emotionalität des Tages leisten.

Daraufhin beschloss ich, es „einfach zu versuchen“. Ich gestaltete eine Homepage und vernetzte mich in Portalen. Die ersten Anfragen kamen schnell und nach einiger Zeit hatte ich ausreichend Aufträge, dass ich meinem ursprünglichen Job, den ich zunächst beibehalten hatte, „Tschüss“ sagen konnte.



Was kann ein Hochzeitsredner zur Feier beitragen?

J.v.V.: Hochzeitsredner/innen gestalten freie Trauungen. D.h. Trauzeremonien, die unabhängig von Kirche und Religion gestaltet sein sollen. Wie die kirchlichen Trauungen sind aber auch die freien Trauungen meist der Auftakt des Tages und der Beginn der Feierlichkeiten. Hochzeitsredner gestalten daher die grundlegende Emotion und Stimmung mit, die die Basis für alles Weitere darstellt … Sektempfang, Essen, Party.

Wenn während der Trauung geweint, geschmunzelt und auch gelacht wird, ist das der perfekte Auftakt für einen ausgelassenen Tag.
Mir ist besonders wichtig, das Besondere am Brautpaar und deren Beziehung in den Fokus zu stellen und die beiden damit ganz klar und eindeutig dort zu platzieren, wo sie an dem Tag hin gehören: in den Mittelpunkt. Durch diesen sehr persönlichen Ansatz erlebt nicht nur das Paar, sondern auch die Gäste, einen kurzweiligen, interessanten und emotionalen Auftakt, der der Bedeutung des Tages gerecht wird. Denn viel zu häufig sind noch Aussagen wie: „Bei der letzten Trauung waren wir froh, als es endlich vorbei war.“ und „Ich habe nur auf die Uhr geschaut und bin fast eingeschlafen.“ zu hören.

Außerdem ist häufig zu beobachten, dass Themen aus meiner Rede den Gästen als Möglichkeit dienen, um im weiteren Verlauf der Feier miteinander ins Gespräch zu kommen. Denn häufig erfahren alle Gäste auch immer etwas Neues über das Brautpaar, wenn ich von deren Geschichte berichte. Oder die Gäste sind durch die Erzählungen so ins Träumen gekommen, dass sie vor ihrem inneren Auge ihre eigenen Geschichte Revue passieren lassen… Meist endet das mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht.

Eine gelungene Trauung ist also die perfekte Eröffnung für einen stimmungsvollen, wichtigen Tag, der das Brautpaar noch lange tragen soll.

Wie sieht die Arbeit einer Hochzeitsrednerin aus?

J.v.V.: Der Begriff „Hochzeitsredner/in“ ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Man findet z.B. auch die Bezeichnungen „Trauredner“ oder „Festredner“. Daher gestaltet sicherlich jeder Redner seine Arbeit auch ein Stück weit anders.

Bei mir beginnt jede potenzielle neue Trauung aber immer mit einem unverbindlichen Kennenlerngespräch. Das Paar soll die Möglichkeit bekommen, zu fühlen, ob die „Chemie stimmt“. In diesem Gespräch stelle ich auch grundsätzliche Gestaltungsmöglichkeiten vor, die sehr vielfältig sind. Mir ist es sehr wichtig, dass das Paar eine Idee davon bekommt und wir dann gemeinsam genau die Trauung gestalten und die Elemente einbauen, die das Paar widerspiegeln.



Im weiteren Verlauf der Vorbereitung gibt es weitere Gespräche, denn entscheidend ist, so viel wie möglich über das Paar zu erfahren. Wie haben sie sich kennengelernt? Wie gestalten sie den Alltag und viele weitere Fragen. Vieles kann das Paar bewusst erzählen, doch die eigentliche Aufgabe liegt meist darin, das, was nicht erzählt wird, trotzdem aufzunehmen.
Was verraten Gesten und Blicke? Auf welcher Ebene begegnet sich das Paar?
Wenn genug Input gesammelt ist, setze ich mich dran, die Rede zu schreiben und die Elemente wie Musik oder symbolische Handlungen so einzubauen, dass die Trauung „rund“ ist.

Die Arbeit als Hochzeitsrednerin erfordert also vor allem viel Einfühlungsvermögen, Herz und Leidenschaft. Aber im gleichen Maße auch die Fähigkeit zu strukturieren, um die vielen Informationen am Ende bewusst und platziert in der Trauung unterzubringen.

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Woher nimmst du die Inspiration für deine Hochzeitsreden?

Wie gesagt versuche ich in den Gesprächen mit den Brautpaaren förmlich in „deren Welt“ abzutauchen und mich in das Paar hinein zu fühlen. Was haben sie gemeinsam erlebt? Was verbindet sie? Welche Eigenschaften sind ihnen an einander besonders wichtig? Welche gemeinsamen Lebensziele haben sie?

Häufig werden im Laufe eines Gesprächs dadurch Themen und Werte deutlich, die besonders wichtig sind, die sozusagen einen Grundpfeiler der Beziehung darstellen und die sich von Paar zu Paar unterscheiden. Geht es vielleicht vorrangig um den Wunsch, gemeinsam alt zu werden – mit allem, was dazu gehört? Geht es darum, neugierig und mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und gemeinsam Neues zu erkunden? Dreht sich vielleicht überdurchschnittlich viel um den gemeinsamen Humor?

Manchmal gibt es auch einzelne, besonders starke und berührende Sätze, die im Gespräch fallen und die ich als Ansatzpunkt für meine Rede nutzen kann, weil sie sehr viel darüber aussagen, wie das Paar miteinander umgeht.

Ich versuche eben aber auch sehr genau das zu „erfühlen“, was das Paar unbewusst vermittelt: Leichtigkeit, Verbundenheit, Freundschaft, Leidenschaft?

Kann jeder Redner jede Trauung begleiten – oder kommt es da auf die Chemie an?

J.v.V.: Die Frage kommt genau an der richtigen Stelle. Denn meine Antwort zur vorherigen Frage:
„Die Inspiration kommt also aus Zuhören und Beobachten, aus Einfühlen und Nachfühlen“, könnte ich wie folgt ergänzen: „… wenn die Chemie stimmt.“

Ich bin der festen Überzeugung, dass das Ergebnis am Tag der Trauung nur dann 100%-ig perfekt sein kann, wenn es eine gute Ebene zwischen Redner und Paar gibt. Ich formuliere bewusst „gute Ebene“, weil es nicht immer unbedingt eine „Beste-Freunde-Ebene“ braucht oder man sich ähnlich sein muss. Aber Sympathie muss aus meiner Sicht zwingend gegeben sein, damit Zuhören und Einfühlen funktioniert und damit sich das Paar öffnen und persönliche Dinge von sich preisgeben kann.

Was war dein schönstes berufliches Erlebnis als Hochzeitsrednerin?

J.v.V.: Ich tue mich schwer, DAS schönste Erlebnis zu benennen. Und jetzt folgt auch kein ABER. Denn ich kann wirklich aufrichtig sagen, dass ich über jede einzelne Trauung, die ich begleiten durfte und über jede einzelne so liebevolle Rückmeldung, die ich erhalten habe, glücklich bin.

Sicher gibt es Trauungen, an die ich besonders oft denke, weil sich am Tag der Tage alles perfekt getroffen hat…
Eine weite Wiese, strahlender Sonnenschein, ein immer wieder zu Tränen gerührtes Brautpaar, der Brautvater am Piano, eine fantastisch gekleidete Hochzeitsgesellschaft, Schmetterlinge, die um meinen Rednertisch flogen und zum Abschluss „Auf uns“ von Andreas Bourani… Ohne Worte.

Was ist das wichtigste an einer gelungenen Hochzeit?

J.v.V.: Da gibt es für mich nur eine einzige Antwort: die Stimmung des Brautpaares. Die tollsten Hochzeiten sind aus meiner Sicht die, an denen das Brautpaar noch selbst richtig Lust auf den Tag hat und ausgiebig mitfeiert, weil es sich nicht während der Vorbereitungszeit so viel Stress angetan hat, dass alle Lust vergangen ist. Das ist auch der Rat, den ich den Brautpaaren immer wieder in unseren Gesprächen gebe, wenn Ängste deutlich werden, dass nicht alles perfekt werden könnte oder sie ggf. etwas vergessen haben könnten: „Kaum jemand wird sich an die Farbe der Blumendeko erinnern. Eine traumhafte Trauung, leckeres Essen, gute Musik und ausgelassene Stimmung bei euch als Brautpaar – mehr braucht es nicht.“

Braucht man auf jeder Hochzeit einen DJ?

J.v.V.: Wie man an meiner vorherigen Antwort erkennen kann, kann ich diese Frage mit einem klaren JA beantworten. Gute Musik und ausgelassene Stimmung ist ein Garant für eine tolle Hochzeitsfeier. Ohne DJ ist das nicht zu stemmen.

Gute und ausgebildete DJs haben ein Gespür für das richtige Lied zur richtigen Zeit. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass dadurch Momente geschaffen werden können, die für die Ewigkeit bleiben. Sich auf einen Freund zu verlassen, der „sich damit auskennt“, kann fatal sein. Denn wenn auf der Tanzfläche nichts passiert, bleibt die Feier und damit die ganze Hochzeit nicht in besonders schöner Erinnerung.

Hast du es je bereut, deinen Job gewechselt zu haben?

J.v.V.: Nein, ich habe es an keinem einzigen Tag bereut. Ganz im Gegenteil. Ich bin jeden Tag sehr glücklich und dankbar dafür, diese, ich kann sagen, meine Aufgabe gefunden zu haben. Jedes Mal, wenn ich während der Trauung in glasige Augen schaue und Tränen über die Wangen laufen sehe, jedes Mal, wenn während der Trauung von Herzen gelacht wird und jedes Mal, wenn ein Brautpaar sagt: „Wir werden unseren Tag dank dir nie vergessen“, weiß ich, dass es richtig ist. Es hat Sinn.



Titelbild: © Janine van Vorst
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